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Hundeschlaf entmystifiziert

Schluss mit der 18-20 Stunden Regel!

Wie viele schlaflose Nächte hast du hinter dir, nur weil dein Hund nicht 18-20 Stunden schläft? Aus der Simply Dog Welpenschule weiß ich, wie verzweifelt Halter sind, weil ihr Hund weit entfernt von 18-20 Stunden Schlaf ist. Das Thema betrifft aber genauso erwachsene Hunde und deren Halter.  


Als Hundebesitzer wollen wir sicherstellen, dass unsere pelzigen Freunde ein glückliches und gesundes Leben führen. Eine wichtige Komponente für das Wohlbefinden eines Hundes ist ausreichend qualitativ hochwertigen Schlaf. Ähnlich wie Menschen benötigen Hunde angemessene Ruhephasen, um sich zu erholen und ihre körperliche und geistige Gesundheit aufrechtzuerhalten.
Der Schlaf unserer Hunde ist daher ein wichtiges Thema, das aber allzu oft für Verwirrung und Stress sorgt. Die weit verbreitete Zahl von 18-20 Stunden Schlaf pro Tag hat viele von uns zur Verzweiflung gebracht, da sie oft nicht mit dem tatsächlichen Schlafverhalten unseres eigenen Hundes übereinstimmt. In diesem Artikel möchte ich den Mythos der 18-20 Stunden Regel entmystifizieren und dir zeigen, warum es an der Zeit ist, dir den Druck zu nehmen.

 

Die Vielfalt des Hundeschlafs

Jeder Hund ist einzigartig, genau wie wir Menschen. Das bedeutet, dass auch das Schlafverhalten von Hund zu Hund unterschiedlich sein kann. Anstatt dich an einer starren Zahl zu orientieren, ist es wichtig, das individuelle Schlafverhalten deines Hundes zu beobachten und darauf einzugehen. Das Schlafbedürfnis kann stark variieren und hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie Rasse, Alter, Gesundheitszustand, Lebensstil UND vor allem dem Individuum – deinem einzigartigen Hund.

Es ist also an der Zeit, den Druck herauszunehmen und dich nicht länger von unrealistischen Schlafzeiten verunsichern zu lassen. Die Zahl von 18-20 Stunden Schlaf pro Tag ist nicht haltbar und kann unnötigen Stress verursachen.

 

Was du unbedingt wissen solltest – Dein Hund ein polyphaser Schläfer

Hunde sind polyphase Schläfer. „Poly“ steht für „mehrere“. Das bedeutet, unsere Hunde haben im Laufe eines Tages mehrere Schlaf- und Wachphasen. Das steht im Gegensatz zu uns Menschen, die typischerweise einen langen ununterbrochenen Schlaf in der Nacht bevorzugen. (Aber auch unter uns Menschen gibt es durchaus Individuen, die einen Mittags- oder Nachmittagsschlaf auch nicht schlecht finden.😊).


Polyphaser Schlaf ermöglicht es Hunden, auf verschiedene Arten von Reizen und Bedürfnissen zu reagieren. Sie sind in der Lage, sich schnell aus dem Schlaf zu erholen und aktiv zu werden, wenn es erforderlich ist. Ein Hund kann zwischen leichtem Schlaf, Tiefschlaf und REM-Schlafzyklen (Traumschlaf) wechseln, ähnlich wie wir Menschen.


Als Hundebesitzer ist es wichtig, das polyphase Schlafverhalten deines Hundes zu akzeptieren und zu respektieren. Biete deinem Hund einen ruhigen und komfortablen Schlafplatz an, an dem er sich sicher fühlt und ungestört schlafen kann. Vermeide unnötige Störungen während seiner Ruhephasen und ermögliche ihm, seinem natürlichen Schlafbedürfnis nachzukommen.


Die Anzahl und Dauer dieser Schlafphasen sind individuell und können sich im Laufe des Hundelebens verändern. Jeder Hund hat seine eigenen Vorlieben und Bedürfnisse in Bezug auf den Schlaf. Einige Hunde ziehen kurze Nickerchen von etwa 15-30 Minuten vor, um sich auszuruhen und Energie zu tanken. Andere hingegen bevorzugen längere Schlafphasen von 1-2 Stunden, um sich vollständig zu erholen. Es ist faszinierend zu beobachten, wie unterschiedlich die Schlafgewohnheiten von Hund zu Hund sein können.


Indem du das polyphase Schlafverhalten deines Hundes berücksichtigst und ihm ausreichend Ruhe und Erholung ermöglichst, förderst du seine körperliche und geistige Gesundheit. Ein ausgeruhter Hund ist in der Regel glücklicher, ausgeglichener und bereit, aktiv am Leben teilzunehmen.

 

Unausgelasteter Hund?

Häufig denken Hundebesitzer, ihr überdrehter Hund sei nicht ausreichend "ausgelastet". Gerade bei Welpen und Junghunden ist das ein häufiges Thema in der Verhaltensberatung.
Doch oft liegt das Problem darin, dass der Hund Schlaf benötigt, aber Schwierigkeiten hat, sich herunter zu regulieren. (Das kennen viele auch von Kindern. Die springen und kreischen abends im Bett herum. Liegen sie dann endlich, sind sie im Nu im Träumeland. Es macht den Anschein als wären sie einfach schlafend „umgefallen“.) Dadurch äußert sich seine Übererregung in Verhaltensweisen wie Bellen, Zwicken, Gegenstände Zerfetzen oder Anspringen.


Denke daran, dass dein (junger) Hund Schwierigkeiten haben kann, sich aus einer hohen Erregungslage selbst herunter zu regulieren. In solchen Momenten benötigt er deine Unterstützung. Es kann hilfreich sein, ihn dort abzuholen, wo er sich gerade befindet. Biete ihm etwas zum Reinbeißen an, spiele kurz mit ihm und fahre die Erregung  in ganz kleinen Schritten herunter, indem du bspw. nach und nach weniger intensiv spielst. Oder lass deinen Hund ein paar Futterbrocken nachjagen, bevor du ihm Futter streust oder ihm etwas zum Kauen gibst. Führe deinen Hund Schritt für Schritt in eine entspanntere Stimmung, damit er zur Ruhe kommen kann. Falls nötig, hole dir individuelle Ratschläge von einem bedürfnisorientierten Trainer zum Thema Erregungsregulation. In unserer Welpenschule lernen unsere Teams von Beginn an einen sicheren Umgang mit der Erregungskurve.

 

Sowohl hohe Erregung als auch Entspannung sind wichtig und gehören zum Leben. Also keine Angst vor hoher Erregung! Hilfreich ist es zu wissen, wie man seinen Hund dabei unterstützt herunterzufahren.

 

Fazit

Entmystifiziere den Hundeschlaf und schließe mit der 18-20 Stunden Regel ab! Achte auf das individuelle Schlafverhalten deines Hundes und lass dich nicht von unrealistischen Zahlen stressen. Jeder Hund ist einzigartig, und solange er gesund und zufrieden ist, bekommt er genug Schlaf. Gib deinem Hund die Möglichkeit, sich mehrmals pro Tag auszuruhen und zu einen qualitativ hochwertigen Schlaf zu genießen, wann immer er es braucht, und unterstütze ihn bei Bedarf dabei von einer hohen Erregungslage in ruhigere Stimmung zu kommen. 


Alles Liebe
Sigrun von Simply Dog
Expertin für modernes Hundetraining mit Herz und Verstand


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Fotos: Katharina Bocksrucker

Anmerkung der VÖHT:

Die Blogtexte geben die individuelle Meinung und Herangehensweise der Autorin, des Autors wieder.