Der gesunde Hund


Die gesunden Gene

© Dr. Carina Kriegl
© Dr. Carina Kriegl

Wir als verantwortungsvolle und hundeliebende Menschen wollen nur das Beste für unsere Vierbeiner. Dazu gehören unter anderem ein optimales Wohlbefinden und ein guter Gesundheitszustand, also ein rund um glückliches Hundeleben.

 

Die WHO (World Health Organisation) definiert den Begriff Gesundheit wie folgt: „Gesundheit ist ein Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens und nicht nur das Fehlen einer Krankheit oder eines Gebrechen."

 

Was macht nun aber einen gesunden Körper, einen gesunden Geist und eine gesunde Hundeseele aus? Die „Zwergerl“ kommen auf die Welt, als kleine unbeholfene Wesen und legen im besten Fall einen guten Start ins Hundeleben hin. Doch das ist nicht immer selbstverständlich und hängt von vielen einzelnen Faktoren ab. Zum einen von den Genen, die ihnen von den Vorfahren mitgegeben werden. Zum anderen von Einflüssen in der pränatalen Phase - vor der Geburt - und postnatalen Phase - unmittelbar nach der Geburt des Welpen. Zusätzlich spielen noch diverse Einflüsse in den Wachstums- und späteren Lebensphasen eine nicht unwesentliche Rolle. Wir wollen diese wichtigen Elemente und Phasen in dieser Textreihe einzeln beleuchten:

 

Die GENETIK

 

Hunde werden entweder bei einem Züchter geboren oder entstammen einer „selbstgewählten“ Verpaarung ohne Zuchtpapiere. Wer bekommt also die bessere „Grundausstattung“ – also Erbanlagen (Gene) - mit? Von nationalen und internationalen Zuchtverbänden werden Zuchtkriterien festgelegt, Erbmerkmale ausgeschlossen und Rassestandards definiert. Zweifelsohne legen sehr viele Züchter ihr ganzes Herzblut in ihre Arbeit und damit in die Auswahl der Elterntiere. Dennoch hinterfrage ich kritisch, ob es durch gezieltes Züchten von Hunden generell möglich ist, Erbkrankheiten zu verhindern oder gesündere Tiere zu züchten. Über die Gesundheit entscheidet nämlich nicht zwingend der Stammbaum, sondern die Gesundheit der Vorfahren. 

 

Mittlerweile sprechen Genetiker davon, dass nahezu 40 % aller Hunde, die wir züchten, irgendeinen genetischen Defekt haben. Solange wir aber nicht alle Interaktionen zwischen den einzelnen Genen kennen wissen wir auch nicht, was tatsächlich in die Weitergabe mit einfließt (?). Ebenso wird es als kritisch betrachtet, durch zu starke Selektion die genetische Vielfalt zu verlieren.

Damit darf ich Frau Dr. Sommerfeld-Stur, eine der führendsten österreichischen Tierärztinnen im Bereich der Genetik zitieren: „Der Erhalt der genetischen Varianz ist wichtiges Ziel der modernen Hundezucht. (…) Fatalerweise führen oft gerade züchterische Entscheidungen, die im Interesse der Gesundheit der Nachkommen liegen, zu einer Verschärfung der Situation der genetischen Vielfalt. (…) Die einzige Möglichkeit, dieses Problem halbwegs erfolgreich zu lösen, bietet die Erarbeitung rassespezifischer Zuchtstrategien, die die individuelle Situation der einzelnen Rassezuchtpopulationen berücksichtigen und dabei alle Möglichkeiten der modernen Genetik ausschöpfen.“ *

 

Aus medizinischer und auch tierschutzrelevanter Sicht sind viele Rassemerkmale als äußerst kritisch anzusehen, da diese nicht zuletzt zu gesundheitlichen Problemen führen können. Unter erblich bedingte Erkrankungen fallen z.B. die Atemnot bei brachycephalen Rassen wie zum Beispiel dem Mops, der Trachealkollaps bei Zwergrassen wie etwa bei Chihuahuas oder Hautfaltendermatiden wie z.B. beim Shar Pei. Bei Mischlingen oder Welpen ohne Papiere kennen wir oft weder die Vorfahren noch deren genetische Ausstattung. Wir können oftmals nur aufgrund des phänotypischen Erscheinungsbildes auf eine verwandte Rasse schließen. Selbst die angebotenen Gentests können diese Lücken noch nicht wirklich schließen, weil oftmals eine ganze Bandbreite an Rassen analysiert wird.

 

Zusammengefasst möchte ich also zwei Punkte hervorheben. Dass Erbkrankheiten nicht ausschließbar sind, auch wenn wir als Hundeliebhaber sehr bewusst - und mit einem kritischen Blick - nach einem seriösen Züchter mit gesunden Elterntieren Ausschau halten. Ebenso gilt auch umgekehrt, dass Mischlingshunde aus selbstgewählten Verpaarungen (auch aus dem Tierschutz) mit einer optimalen genetischen Grundlage gesünder sein können als so manche Rassehunde.

 

*Weitere Infos u.a. zu finden unter www.sommerfeld-stur.at/qualzucht oder Buchempfehlung „Rassehundezucht“ - Genetik für Züchter und Halter von Irene Sommerfeld-Stur.