Der erwachsene Hund


Anspruchsvolle Beschäftigungsmöglichkeiten mit dem erwachsenen Hund

© Isabelle Grubert - Photography
© Isabelle Grubert - Photography

Während Hunde früher für bestimmte Aufgaben gezüchtet und eingesetzt wurden, sind die meisten Hunde heutzutage de facto arbeitslos, was gar nicht so selten zur Entstehung unerwünschter Verhaltensweisen beiträgt. Daher ist es ganz klar von Vorteil, wenn wir unsere Hunde ihren Fähigkeiten entsprechend auslasten.

 

Abgesehen von den üblichen „Gassirunden“, eignen sich zur körperlichen Auslastung alle auf Ausdauer ausgerichteten Betätigungen, wie z.B. Wandern und Laufen.

 

Für besonders aktive Menschen und Hunde kommen auch diverse bewegungsorientierte Hundesportarten in Frage. Hierbei möchte ich insbesondere Agility erwähnen, weil es nicht nur abwechslungsreich ist und Spaß macht, sondern auch eine besonders gute Kommunikation zwischen Mensch und Hund erfordert. Der Hund wird dabei vom Menschen unangeleint und auf größere Distanz durch einen Parcours geführt, dessen Hindernisse in einer bestimmten Reihenfolge möglichst rasch und unter Berücksichtigung bestimmter Kriterien überwunden werden müssen. Ein Agilitylauf mit all seinen Tempo-, Richtungs- und Seitenwechseln kann dabei ähnlich ästhetisch aussehen, wie ein Paartanz. Agility ist übrigens auch für Hunde-Oldies geeignet, wenn statt Tempo ruhige Exaktheit im Vordergrund steht.

© Tina King - die Fotogräfin
© Tina King - die Fotogräfin

Weniger Action, aber sicherlich nicht weniger Nutzen, bringt das Hundeturnen. Da gibt es Übungen zur Koordination, zur Kräftigung, zur Balance, zur Beweglichkeit und zur Dehnung. Man arbeitet bewusst langsam und exakt. Viele Übungen stärken auch Mut und Vertrauen, insbesondere wenn kleinschrittig wackelige Geräte erarbeitet werden. So manche Übung kann auch beim Tierarztbesuch praktisch angewandt werden, weil auch das Positionieren in bestimmter Haltung im Hundeturnen trainiert wird.

 

Als besonders wichtig für alle aktiven Betätigungen erachte ich einen gut geplanten Übungsaufbau, das Auf- und Abwärmen und den gezielten Aufbau der Ausdauer, um Überlastungsschäden zu vermeiden.

 

Grundsätzlich für alle Hunde, aber besonders auch für ruhigere und ältere Hundesemester eignet sich jede Art von Kopfarbeit. Starten wir mal bei der besonders talentierten Hundenase – da treffen sich Kopfarbeit und Ausdauer!

Neben relativ einfachen Futter- oder Spielzeugsuchspielen wie z.B. Schnüffelteppiche und -kisten mit eingewickelten Leckerlis kann man mit seinem Hund z.B. Spuren suchen. Hier sind der Fantasie kaum Grenzen gesetzt: Menschen- und Tierspuren zu verfolgen macht genauso viel Spaß, wie „künstlichen“ Sprühspuren aller möglichen Duftstoffe nachzuschnüffeln.

 

Wer fallweise Dinge verliert und auch praktischen Nutzen aus dem Training ziehen möchte, kann mit seinem Hund die Verlorensuche anpacken. Dabei kann man Flächen bestimmter Größe genauso nach verlorenen Dingen absuchen, wie auch Fährten bis zu einem bestimmten Gegenstand zurückverfolgen. 

© Tina King - die Fotogräfin
© Tina King - die Fotogräfin

Für die Wintermonate eignen sich z.B. die Objektsuche bzw. die Geruchsunterscheidung. Hier lernt der Hund z.B. Geld, Gegenstände aus bestimmten Materialien, Gewürze/Teesorten, Allergene, Alkohol, Schimmelpilze, Schädlinge, etc. mit der Nase zu finden und anzuzeigen. Eine besondere Form der Geruchsunterscheidung ist das Geruchsmemory: dabei präsentiert man dem Hund einen – immer anderen – Geruch, dessen Pendant er dann zwischen verschiedenen Verleitungsgerüchen detektieren soll.

 

Aber es muss nicht immer Nasenarbeit sein! Die hohe Kunst des Trainings ist das sogenannte Konzepttraining. Dabei trainiert man mit dem Hunde zunächst „einfache“ Unterscheidungsaufgaben. Sukzessive lernt der Hund ein bestimmtes „Merkmal“ zu abstrahieren und selbständig auf neue Situationen übertragen. Man kann dabei z.B. das Größte, das Kleinste, das Mittlere, das Gleiche, bestimmte Formen (Kreise, Quadrate, Sterne, …) oder Farben, bestimmte Materialien (Leder, Glas, Metall, Kunststoff, …), u.v.m. trainieren.

 

Eine besondere Art des Konzepttrainings ist, dem Hund die Bedeutung von „ja“ und „nein“ beizubringen. Hierzu trainiert man zuerst das Nicken und das Kopfschütteln – man kann dazu jeweils eine Ortsverknüpfung nützen. Danach wird am jeweiligen Übungsort die Kopfbewegung mit der Bedeutung verknüpft – also „ja“ mit Dingen, die der Hund sicher mag und „nein“ mit Dingen, die er verabscheut. Erst dann kann man versuchen, den Hund tatsächlich etwas zu fragen und so zu testen, ob er die Kopfbewegungen „plausibel“ einsetzt.

 

Ein sehr praktisches Konzept ist ferner das Nachahmen, auch als „do as I do“ bekannt geworden. Hier lernt der Hund, das Verhalten eines anderen Hundes oder eines Menschen nachzuahmen. Hunde, die dieses Konzept verstehen gelernt haben, können durch Nachahmung auch besonders rasch neue Verhaltensweisen oder Tricks erlernen. Aber auch ohne Nachahmung ist das „Tricksen“ eine besonders nette Beschäftigung. Hunde können nicht nur einzelne Tricks lernen, sondern auch ganze Verhaltensketten. Etwas ganz Praktisches ist z.B. dass der Hund von außen die Terrassentüre durch Anstupsen öffnet, ins Haus kommt, die Tür von innen durch Anstupsen wieder schließt und sich danach auf die Fußmatte setzt, bis er – je nach Verschmutzung der Pfoten – abgetrocknet wird oder einfach weiter laufen darf.

 

Diese Verhaltenskette kann man z.B. mit Targets trainieren. Target heißt Ziel und dieses Ziel soll der Hund mit einem Körperteil berühren. Kann der Hund also z.B. ein „Post-It“ in meiner Hand mit der Nase anstupsen, kann ich ein Post-It als Nasentarget an die Terrassentür kleben und dem Hund so relativ einfach vermitteln, was zu tun ist. Mit Pfotentargets können Hunde hervorragend irgendwo hingeschickt oder stationiert werden. Ein Kinntarget kann bei tierärztlichen Behandlungen nützlich sein. Ein Nasenrückentarget hilft beim Augen eintropfen. Ein Blicktarget kann ideal in der Fotografie eingesetzt werden. Die Anwendungsgebiete für’s Targettraining sind de facto unerschöpflich!

 

Lust auf mehr Beschäftigung mit dem Hund bekommen? Na dann - auf geht’s: kleinschrittigen Trainingsplan machen und so trainieren, dass es Mensch und Hund Spaß macht!